![]()
Shakespeare klingt diesen Sommer in den Kew Gardens ganz australisch. Die Australian Shakespeare Company ist zurück in der wunderschönen Umgebung Südwest-Londons – diesmal mit einer heiteren, wenn auch etwas abschweifenden Interpretation von Twelfth Night.
Die Geschichte von Verwechslungen, Liebesdreiecken und getrennten Zwillingen zählt zu den beliebtesten Komödien des Barden. Louise Hoare überzeugt als mitfühlende Viola, Hugh Sexton (letztes Jahr Macbeth) spielt einen sympathischen, wenn auch wenig genutzten Orsino. Nicole Nabout bringt eine wildere, erotische Energie in die Rolle der Olivia, und Alex Cooper fungiert als musikalischer Conferencier in der Rolle des Feste.
Diese Inszenierung übergeht die tieferen Themen von Verlust, Selbsttäuschung und sozialer Klassenungleichheit und setzt stattdessen stark auf die derbe Komik; Jackson McGovern hat seinen Spaß als sehr amüsanter Sir Toby, der immer wieder die vierte Wand durchbricht, aus Schuhen trinkt, Dosen Fosters aus verschiedenen Verstecken stiehlt und im Allgemeinen für Chaos sorgt. Ihm zur Seite steht Sir Andrew, mit überlegenem Auftreten gespielt von Tony Rive. Unterstützt werden sie von der netten, aber nicht sehr cleveren Fabian (Larissa Teale) und der listigen Maria, großartig und voller Witz gespielt von Monica Nash.
Diese komödiantische Leichtigkeit sorgt für einen unterhaltsamen und lustigen Abend, unterläuft jedoch die ernsthafteren Aspekte des Stücks. Maverick Newmans distanzierter Malvolio ist weniger der steife, grimmige Puritaner, sondern wird zu einer mitfühlenderen Figur als sonst, der von anderen, die sich auf seine Kosten amüsieren wollen, missbraucht und getäuscht wird. Sein Schwur auf Rache ist von echter Traurigkeit über seine Behandlung durchdrungen und wirkt angesichts der vorherigen Ereignisse gerechtfertigt.

Die Produktion strahlt eine raue, ungezwungene Energie aus, die manchmal liebenswert ist (wenn Cooper plötzlich auf der Bühne seine Gitarre neu stimmen muss) und manchmal amateurhaft wirkt, wie die ständigen, schlimmen Aussetzer im Sound. Das Kostümdesign folgt diesem wilden Mix: Der Offizier erscheint als suggestive S&M-Karikatur mit blauen Leder-Hotpants und glitzernden kniehohen Stiefeln, während Viola und Sebastian aussehen, als kämen sie von einer Ziggy Stardust-Mottoparty mit schrecklichen roten Perücken und aufgemalten Blitzsymbolen im Gesicht. Malvolios gelbe Strumpfhalter sind im Vergleich dazu recht klassisch.
Mit fast drei Stunden Laufzeit dürfte die Show ruhig etwas gestrafft werden, und einige musikalische Abschnitte könnten komplett gestrichen werden. Ein Eröffnungsstück – eine Twelfth Night-inspirierten Version von „The Twelve Days of Christmas“, die die Weihnachtsbezüge beibehält – ist ein seltsamer Einstieg in die Vorstellung.
Dennoch gibt es viel Vergnügen, und man könnte sich an einem Sommerabend deutlich schlechter unterhalten lassen als mit dieser lustigen und unbeschwerten Produktion.
Twelfth Night läuft im Theatre on Kew bis zum 30. August
Foto-Credits: Courtesy der Produktion