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Als dieses
Fünf Jahre später hat die Wiederaufnahme von Oliver Mears' Inszenierung im Royal Opera House nichts von ihrer Schärfe verloren. Wenn überhaupt, wirkt sie jetzt noch entschlossener in ihrer Brutalität. Damals trug das Publikum Masken; heute bleiben nur die metaphorischen Masken des Herzogs und die buchstäblichen Masken seiner Handlanger, als sie Gilda entführen. Es ist ein geschicktes, erschreckendes visuelles Echo einer Welt, in der Täuschung sowohl Kostüm als auch Währung ist.
Visuell bleibt die Inszenierung nahezu fehlerfrei. Simon Lima Holdsworths Bühnenbild wird von einer Wand in der Farbe von getrocknetem Blut dominiert, in einem tief hypnotischen Farbton, für den Mark Rothko sein Leben gegeben hätte. Sie haftet an dem Drama wie eine zweite Haut. Später sammeln sich Sturmwolken per Projektion, Blitze zucken nicht nur über die Bühne, sondern auch ins Auditorium selbst. Allan Ramsays düstere Beleuchtung zieht uns in das spiralförmige Böse. Dank der dämmerigen Farbpalette gibt es kein Entkommen aus dem moralischen Zwielicht des Stücks.
Mears' Regie lehnt sich unverfroren an die erotischen Grundlagen der Oper an. Es gibt keine Nacktheit, aber auch keine Scheu. Die Gelüste des Herzogs werden in voller Sicht ausgeführt, sein Hof ist ein Komplize als Voyeur. Maddalenas Verlangen ist ebenso unverhüllt, ihre physische Dringlichkeit durchschneidet die Lyrik der Partitur. Dies sind keine symbolischen Gesten; sie sind rohe Instrumente.
Die Architektur der Inszenierung ermöglicht eine konstante Verdoppelung der Handlung. Räume auf mittlerer Ebene schaffen eine Vertikalität, die die moralische Schichtung der Oper widerspiegelt: Männer unten verschwören sich, Frauen oben werden bloßgestellt. Im ersten Akt schauen Figuren in Trenchcoats stumm nach oben, während Gilda sich auszieht; im dritten Akt entfaltet sich das wütende Liebesspiel des Herzogs mit Maddalena oben, während Rigoletto unten um den Mord verhandelt. Sex und Tod, übereinander gestapelt.
Und die Spannung lässt niemals nach. Wo Jonathan Millers gangsterhafte Interpretation, kürzlich bei der English National Opera zu sehen, eine gewisse stilisierte Distanz bot, übt Mears' Vision einen Würgegriff auf die Sinne aus. Es gibt keine Erlösung, keine ironische Distanzierung. Nur ein stetiges Anziehen der Schraube.
Als lüsterner Herzog von Mantua läuft der peruanische Tenor Iván Ayón Rivas mit Mears' Regie Amok. Sein Schauspiel bringt die Höhen und Tiefen der Suche seines Charakters nach der nächsten Eroberung, sei es in Form von Frauenkörpern oder Kunstwerken, zum Vorschein. Er ruft ein Trump-ähnliches Maß an Selbstherrlichkeit hervor (insbesondere bei Frauen und anderen Objekten der Begierde), das scharf mit dem rumänischen Bariton George Peteans Rigoletto kontrastiert, dem Hofnarr, der versucht – und scheitert – seine Tochter vor den Reizen seines Chefs zu schützen und beim Streben nach Rache tragisch erneut scheitert. Sie alle verbindet die großartige Aida Garufullina. Die russische Sopranistin dringt tief in Gildas Dilemma ein, verzaubert vom Herzog trotz der Bitten ihres Vaters. Dieses Trio herausragender Leistungen verleiht Mears' ausgesprochen klaustrophobischer Vision das dramatische Ballast, das nötig ist, um fokussiert zu bleiben.
Dies ist Rigoletto, wie es vielleicht immer gedacht war: eine dunkle, sinnliche, unerschrockene Untersuchung von Macht und ihren Missbräuchen. Es bittet nicht um Ihr Mitgefühl. Es fordert Ihre Komplizenschaft.
Rigoletto läuft noch bis zum 23. April im Royal Opera House.
Foto: Marc Brenner