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Sean Holmes am Globe wird oft als Purist bezeichnet, seine Inszenierungen von A Midsummer Night’s Dream und Much Ado erhielten Lob für ihre elisabethanischen Kostüme und die ausgelassene Atmosphäre. In den Eröffnungsszenen von As You Like It zeigt sich derselbe Traditionalismus, doch hier resultiert das nicht in Ausgelassenheit, sondern in Künstlichkeit.
Holmes und Co-Regisseurin Charlie Josephine versetzen die Besetzung in einen aristokratischen Hof des 18. Jahrhunderts, mit Perücken und Mantuas. Die ersten Szenen, in denen Orlando (gespielt von Josephine) Rosalind zum ersten Mal begegnet und sich seine Feindschaft mit seinem Bruder Oliver zuspitzt, wirken wie höfische Rituale, wobei eine sorgfältige Choreographie der Natürlichkeit vorgezogen wird. Echte Emotionen dringen nur gelegentlich durch – Olivers paranoide Eifersucht oder Rosalinds Scherze mit ihrer Cousine Celia – und alle werden ständig von einem starren Hofstaat beobachtet.
Doch all dies ändert sich, als die Figuren den Wald von Arden betreten, der traditionell als Ort der persönlichen Veränderung interpretiert wird. Emily Carnes Bühnenbild bestand bislang aus mehreren riesigen weißen Leinwänden; in einem ansprechenden coup de théâtre werden mitten in der Vorstellung handgemalte Bäume direkt auf diese Leinwände skizziert. Auch die Live-Musik vom Balkon verändert sich: Statt majestätischem Tudor-Trommeln dominiert Katie Richardsons Folk-Rock-Versionen von Shakespeares Texten mit einem gewissen heidnischen Charakter.
Dies schafft Raum für einen freieren Ansatz der Regisseure – auch wenn alle weiterhin beobachtet werden, sind die Beobachter jetzt Teil der Handlung. Lola Shalams Interpretation der Rosalind, vielleicht Shakespeares komplexester weiblicher Figur, betont deren offene Suche nach sexueller Begierde und lässt die geschlechtliche Euphorie erahnen, die der Figur beim Verkleiden als Ganymed zuteil wird. Man hat den Eindruck, Rosalind weiß genau, in welcher Art Geschichte sie steckt und ist bereit, deren Tropen für ihre Zwecke zu manipulieren.
Unterdessen spielt Gracie Oddie-James die Celia bissig-sarkastisch, mit Mienenspielen, die fast schon an Clownerie grenzen. Selbst Touchstone, der Narr, dargestellt als tollpatschiger und mittelalter Mann von Jonnie Broadbent, wächst im Wald an Selbstsicherheit und verführt selbstbewusst die Bäuerin Audrey von einem anderen Mann.
Vor allem bei Celia schwingt auch eine soziale Kommentierung mit; der Wald erlaubt ihr, sich in ihrer Vorstellung von ländlicher Armut zu kleiden (ein pastellrosa Bo-Peep-Kostüm) und später ihre RP-Aussprache zeitweise abzulegen. Merkwürdigerweise hat auch Orlando einen starken Estuary-Akzent erhalten, den weder sein Bruder noch andere Darsteller teilen, dessen Bedeutung jedoch unklar bleibt und nicht weiter ausgearbeitet wird. Zudem spielt Josephine die Rolle durchgehend mit einer Art wild blickender Verwirrung, was Rosalind zur einzigen Persönlichkeit mit Eigeninitiative in ihrer Beziehung macht.
Doch vielleicht sind diese verwirrenden Identitätsvorstellungen genau der Kernpunkt. Die Zwänge des Hoflebens sind abgelegt und kehren nie zurück, an deren Stelle tritt die Idee, dass wir unsere Selbstdarstellung selbst wählen können. Vielleicht ist der Wald von Arden gar kein realer Ort, sondern ein von uns erfundener.
As You Like It wird bis zum 25. Oktober im Shakespeare's Globe aufgeführt.
Foto-Credits: Marc Brenner