Verfügbare Sprachen
Schnappt euch ein Taschentuch, wischt die Tränen weg und trommelt all eure Friends-with-benefits zusammen: Nach 12 Jahren haben die Pop-Sensationen Fuccbois Schluss gemacht, und wir sind alle zu ihrem letzten Auftritt eingeladen.
Vor einem imaginären Publikum von 90.000 Zuschauern (oder so vielen, wie sicher in den Kabarett-Kellerraum des Soho passen) verabschiedet sich die vierköpfige Boyband zum letzten Mal. Ihre treuen Fans warten auf die Hymnen, die sie kennen und lieben – über Mitternachts-Booty-Calls, One-Night-Stands und die ideale Art, jemanden verschwinden zu lassen. Eingewoben sind herzliche Botschaften an alle „Weibchen“ im Publikum: „Frauen sind einfach Menschen, sogar die, die keine 10er sind“.
Was leicht spöttisch gegenüber Take That, Boyzone, Westlife und anderen zweiteilige, rein männlichen Chartstürmern hätte sein können, bekommt noch das eine oder andere Augenzwinkern. Am offensichtlichsten steckt das im Casting: Die knallhart heterosexuellen Brendan, Brandon, Auch Brendan und Tyler werden von der Autorin und Komponistin Bridie Connell, Vidya Makan, Clara Harrison und Megan Walshe gespielt. Diese Herzensbrecher geben alle Kräfte, tragen beeindruckende Bärte und schmeißen wuchtige Moves, während sie toxische Männlichkeit, das vergiftete Trinkgefäß namens modernes Dating und alle üblichen Boyband-Klischees aufs Korn nehmen. Gleichzeitig arbeiten diese liebenswerten Idioten ihre „kreativen Differenzen“ aus, während Blazey Bests Bühnenmanagerin Micaela versucht (und scheitert), die Show zusammenzuhalten.
Die Musik von Connell ist hier das Highlight. Wie bei dem kriminal unterschätzten Film Walk Hard bilden die sorgfältig ausgearbeiteten Texte und eingängigen Melodien eine Songliste von weit höherer Qualität und Vielfalt, als das augenzwinkernde Konzept vermuten ließe. Der obligatorische, namensgleiche Stadionsong („Fuccbois“ liegt wahrlich nicht weit entfernt von „Wham Rap“) wird mit lautem Jubel bedacht. Weitere Hits folgen: eine gefühlvolle Ode an das „Ghosting“ namens „Slow Fade“, eine beschwingte irische Shanty-Nummer, die die Freuden des Gaslightings feiert (oder etwa doch nicht?) und die ruhige Nummer „Three Little Words“ mit Tipps zum perfekten Bootycall.
Es gibt auch eine politische Note. Performative männliche Solidarität wird in „This Is What A Feminist Looks Like“ lächerlich gemacht (mit einem Refrain, der Zeilen wie „Lächle doch mal“ und „Können wir jetzt Sex haben?“ beinhaltet). Ein „special Australian guest star“ gesellt sich zu den Jungs für „I Hear You Girl“ und wird am Ende selbst zum Ziel ihres arroganten Verhaltens. Die Bauchmuskel-Lacher sind da, aber die gemachten Punkte – so berechtigt sie auch sind – wirken schwach, offensichtlich und zurückhaltend.
Regisseur Richard Carroll verleiht der Veranstaltung eine beschwingte Grundstimmung, die sich durchgehend zieht, mit einer stets lebhaften Verbindung zwischen Bühne und Publikum. Diese Produktion würde sowohl im Claphamer The Two Brewers als auch im Hauptraum des Soho Theatre funktionieren, mit häufigen Ausflügen ins Publikum und dem Einsatz von Videobildschirmen, die das Mitsing-Erlebnis verstärken. Wer genau hinhört, entdeckt schwache thematische Echoes von Shows, die vor über einem Jahrzehnt dort gespielt wurden, als Londons Vaudeville-Legende Victoria Falconer (seine Co-Artistic Directorin beim Hayes Theatre Co) und ihre einstige EastEnd Cabaret-Partnerin Bernie Dieter dieselbe Bühne bevölkerten.
Dies war nicht die einzige Parodie von Drag Kings als Boyband beim Fringe in diesem Jahr: MAN!FEST: The Drag Boyband Musical war ebenfalls vertreten, was darauf hindeutet, dass das, was einige vielleicht nur als Gag gesehen haben, jetzt zu einem eigenen Genre geworden sein könnte. Zufall oder nicht – es ist immer willkommen, Shows dieses Kalibers aus einer Ecke des Drag-Universums zu sehen, die vom globalen Mediengiganten RuPaul beinahe vollständig ignoriert wird.
Foto-Credit: Cameron Grant