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Kritik: TARTUFFE (REMIXED) mit Mark Rylance

Mark Rylance ist Molières Hochstapler in Darren Raymonds neuer Adaption.

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Kritik: TARTUFFE (REMIXED) mit Mark Rylance

Die Adaption klassischer Theaterstücke für ein neues Publikum ist eine spannende Aufgabe, und Darren Raymond hat Molières Farce in eine nigerianisch-jamaikanische Familie verlegt, die in England lebt. Wir bereiten uns alle auf die bevorstehende Hochzeit von Adanna und Sinclair vor, während Verwandte von beiden Seiten im Elternhaus der Braut zusammenkommen. Als Oga, Adannas Vater, Pastor Blake einlädt, zu bleiben, schlagen bei der jüngeren Generation die Alarmglocken. Der glattredende, hinterhältige und schmierige alte Mann dringt ins Haus ein und täuscht Frömmigkeit vor. Der Kern von Molières Werk trägt eine lebendige Inszenierung, die voller Farbe und Musik steckt. In Reimversen geschrieben, ist diese Version von Tartuffe wirklich charmant, wirkt jedoch etwas lang und ihr Humor tendiert dazu, überstrapaziert zu sein.

Mark Rylance spielt den schleimigen Geistlichen. Große, falsche Zahnprothesen formen eine verstörende Grimasse, wenn er sich ans Publikum wendet, während seine Haltung und sein Auftreten die ganze Zeit über aktiv beunruhigend sind. Er nutzt den Glauben seiner Gastgeber zu seinem Vorteil aus und rührt ständig Unruhe an, bis wir uns fragen, ob das nicht eine Art religiöse Psychose in Aktion ist. Rylance zeigt wie gewohnt eine natürliche Gelassenheit. Er ist oft zutiefst widerlich, besonders im Umgang mit den Frauen.

Mark Rylance, Suzette Llewellyn und Morenike Onajobi in Tartuffe (Remixed)

Rylance mag der topbesetzte Schauspieler im Ensemble sein, aber Morenike Onajobi stiehlt allen die Show. Sie ist glänzend kompromisslos als Kemi, Adannas überlebensgroße und sehr schlaue beste Freundin, die sofort durchschaut, worum es geht. Kemi scheut sich nicht, gegen ihre bibeltreuen Älteren aufzubegehren und gewinnt uns im Handumdrehen für sich. Ihre liebevoll spannungsreiche Dynamik mit Christopher Mbaki (D-Miz, Adannas Bruder) ist schlicht entzückend. Usifu Jalloh und Craig Blake sind ebenso liebenswert als der Vater der Braut und des Bräutigams, die offen streiten und urteilen.

Die Großmütter bringen eine amüsante Offenherzigkeit ins Geschehen: Blanche Williams und Suzette Llewellyn halten sich voneinander fern, teilen aber denselben meinungsstarken Geist. Sie sind ehrlich gesagt bezaubernd in ihrem sarkastischen Verhalten. Das Hauptpaar gerät leider fast zur Randfigur. Sara Mokonen und Ivandro Da Cruz Leite sind niedlich, doch angesichts der größeren Persönlichkeiten auf der Bühne treten sie in den Hintergrund. Ganz zum Schluss wächst Nakeba Buchanan zu einem echten Superstar heran.

Buchanan liefert eine eindrucksvolle Darbietung als Elmire, Ogas zweite Ehefrau, die den Druck, in die Fußstapfen der früheren Matriarchin zu treten, gut verbirgt, dessen Last aber in kleinen Anmerkungen sichtbar wird. Elmire wird von ihrer ganzen Familie victim-blamed und gaslighted. Buchanan behandelt diese Rolle mit feiner Taktik, und ihre Darstellung ist bemerkenswert, weil sie ihre Würde angesichts von Demütigung und Spott bewahrt. Obwohl das Projekt einige Schwächen aufweist, machen sie und Rylance das Stück sehenswert.

Raymonds Adaption ist in vielerlei Hinsicht exzellent, versagt aber in anderen. Das Bühnenbild von ULTZ ist perfekt in seiner repräsentativen Funktion, und Duramaney Kamara untermalt die Handlung mit einer mitreißenden Klangkulisse. Allerdings versucht Raymond zu viel auf einmal und bemüht sich sehr, das Genre auf Kurs zu halten. Vieles von der Komik ist nicht wirklich lustig und greift häufig in die Nähe von Misogynie. Die Gags kommen dicht und schnell, bleiben aber zu lange auf der Bühne, anstatt präzise zu landen und sich zurückzuziehen.

Usifu Jalloh und Mark Rylance in Tartuffe (Remixed)

Am Ende ist alles ein wenig übertrieben, auch der spirituelle Aspekt. Tartuffe (Remixed) versucht farcenhaft zu sein, ohne ganz an die Kraft der Farce zu glauben. Die fast letzte Szene bricht unerwartet mit allem und ändert den Tonfall, was eine fantastische Wahl wäre, wenn der Rest der Aufführung dieselbe Atmosphäre hätte. Es ist eine positive Überraschung, doch das Stück kehrt danach sofort wieder zu seiner Form zurück. Mehr Kohärenz und ein stärkerer Fokus auf das eigentliche Ziel des Stücks hätten seinen Erfolg besser sichern können.

Tartuffe (Remixed) läuft im Marylebone Theatre bis zum 24. Oktober.

Fotografie von Mark Senior



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