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Rezension: CRYBABIES: THE SCARING, Soho Theatre

Trashiger Horror-Show gräbt erschöpfte Genretropen für billige Lacher aus.

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Rezension: CRYBABIES: THE SCARING, Soho Theatre

Frisch von einem Auftritt beim Edinburgh Fringe schleicht das Crybabies-Trio mit ihrem Comedy-Horror-Stück The Scaring ins Soho Theatre.

In einem Prolog treffen wir zwei bewaffnete Priester — in der einen Hand ein Kruzifix, in der anderen eine Bibel — die eifrig auf der Jagd nach einem Dämon sind. Ihre Mission gerät außer Kontrolle, ihre romantischen Gefühle füreinander bleiben unerwidert und einer von ihnen trifft sein Ende. Nachdem er diese knappe Begegnung überlebt hat, verlässt Arthur Holland den Klerus, um Manager eines immersiven Junggesellenabschieds-Erlebnisses und eines Smash-Burger-Restaurants zu werden (so macht man das). Doch bald findet er sich in einem gruseligen Hotel wieder, das vom mysteriösen Mr. Lyle geführt wird. Unterstützt von einem Geist namens Gerry begibt sich der Ex-Exorzist auf die Suche nach der Quelle des übernatürlichen Chaos. 

Dieser surreale Ritt ist durchdrungen von Film- und TV-Anspielungen. Psycho, The Omen, The Shining, Ghosts und natürlich The Exorcist werden alle mehr oder weniger eifrig zitiert. Weitere Tropen schimmern durch: Werwölfe verwandeln ihre Opfer in Lederjacken-tragende Shakespeare-Fans, ein Poltergeist übernimmt den Smart Speaker und ein unnatürlich großes Kind in viktorianischer Kleidung wandert durch die Flure. Fans von Dingen, die nachts Geräusche machen, werden über die gesamte Dauer des Stücks einen Schatz an Genre-Ostereiern entdecken.

Es sind inzwischen drei Jahre vergangen, seit die Crybabies-Truppe (Michael Clarke, James Gault und Ed Jones, der kürzlich als Musikladen-Roboter Keith in der BBC-Serie Ann Droid zu sehen war) hier zuletzt auftrat. In der Zwischenzeit sind die Radio-4-Lieblinge in Francesca Moodys Reigen von Produktionen eingestiegen, zu denen auch Fleabag und Baby Reindeer gehören. Die Regie für dieses erste Projekt der Company übernimmt Margaret, Queen of Soho-Regisseur Jon Brittain, der zuvor für FMP Kathy and Stella Solve a Murder! inszenierte.   

Weit und breit das Beste an The Scaring ist das beeindruckende Design. Es gibt noch immer Echos der DIY-Ästhetik früherer Shows: Wie bei Bagbeard harmonieren billige Papp-Requisiten, ausgefallene Perücken und Vintage-Outfits, die offenbar aus einem Wohltätigkeitsladen in West-London gerettet wurden, gut mit dem knorrigen, rohen, improvisierten Gefühl des Textes. 

Die Moody-Verbindung brachte einige bekannte Gesichter mit sich. Die Bühnen- und Kostümdesigns von Celia Carey (Baby Reindeer) vermitteln von Anfang an altmodische Horrorstimmung, während Kathy and Stella-Lichtdesignerin Bethany Gupwell das scheinbar Unmögliche bewirkt: Sie erschreckt das Publikum, auch wenn alles hell erleuchtet ist, obwohl sie gelegentlich auf die trashige Technik des gelegentlichen Blackouts zurückgreifen muss. Illusionen von John Bulleid (Harry Potter and The Cursed Child) reißen uns effektiv den Boden unter den Füßen weg, Ed Lewis (Margaret, Queen Of Soho) hat eine Reihe beklemmender Kompositionen und gruseliger Soundeffekte geschaffen, und Nina Dunn’s Videowerk zieht uns brillant in die verrückten Szenarien der Crybabies. 

Ebenfalls lobenswert ist die gezeigte Körperlichkeit. Alle drei Schauspieler füllen den Raum mit dynamischen Bewegungen, ihr hektisches Tempo passt zu dem verbalen Gedränge, das ständig droht, diesen Abend zu entgleisen. Die Gaulier-Ausbildung von Gaunt verleiht ihm eine präsente Ausstrahlung, die über den allgemeinen Unfug hinausragt.

Ab da geht es jedoch bergab. Das Grundkonzept hilft wenig: Parodien klassischer Horrorstreifen sind kaum originell und das Material ist totgeritten, nicht zuletzt von Shaun Of The Dead, What We Do in the Shadows und den sechs (sechs!) Scary Movie-Filmen seit 2000. Sehr wenig Neues wird gesagt und was gesagt wird, lässt The Scaring unausgesprochen.

Dann ist da noch der Humor, eine zwiegespaltene Mischung aus zerstreuten Gags, die eher von nächtlichen Improvisationsrunden und Ideen-Zur-Schleuder-Werfen sprechen als von einem im klaren Tageslicht redigierten Skript. Schwache Wortspiele dominieren: Eine Running Gag darüber, dass Arthur Holland sich gezwungen sieht, sich ArtHol zu nennen, schlurft vor sich hin, während ein kirchlicher Polizist sich als „the chief of P-riests“ vorstellt. Entweder stöhnt man oder kichert — dazwischen gibt es nichts. Der Grad der Albernheit zieht sich von Anfang bis Ende, doch zu oft fallen die Witze flach, wirken billig oder sind von weitem auf der Dean Street heranrasselnd zu erahnen. 

Wenn man Humor und Inszenierung abzieht, bleibt ein halbes Jahrhundert Horror-Klassiker übrig, das durch einen Schredder gejagt und dann wie Fringe-Theater zusammengeklebt wurde. Ein unvermeidlicher Vergleich muss mit Police Cops gezogen werden, einem weiteren Drei-Personen-Ensemble, das sich auf hochgeschwindigkeits Kostüm-/Charakterwechsel innerhalb von Szenen spezialisiert hat und Genreparodien durch episodische und schräge Sketche anstelle von konventioneller Handlung unterwandert. Police Cops richten ihre DIY-Ästhetik auf Space-Opera aus, Crybabies auf Horror, doch das Ergebnis ist im Großen und Ganzen ähnlich. Trotz ihrer neuen Unterstützer haben letztere noch nicht ihre eigene Identität gefunden.

Crybabies: The Scaring läuft noch bis zum 23. September
Foto: Mihaela Bodlovic



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