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Kritik: ARIADNE AUF NAXOS, Glyndebourne Festival

Eine brandneue Version der Strauss-Oper über eine Oper landet mit einem Knall

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Kritik: ARIADNE AUF NAXOS, Glyndebourne Festival

4 Sterne

Richard Strauss' Oper in der Oper, Ariadne auf Naxos, ist ein kurioses Wesen: eine Mischung aus gesprochenem Wort und Gesang, ein Mix musikalischer Einflüsse und Themen, die hinterfragen, ob Hochkultur jemals mit populärer Unterhaltung verschmelzen kann. Zwei rivalisierende Musikgruppen – eine Burlesque-Truppe und ein ernsthaftes Opernensemble – müssen auf Wunsch des reichsten Mannes Wiens ihre Aufführungen gleichzeitig darbieten.

Laurent Pellys neue Inszenierung setzt stark auf den kontrastreichen Ton zwischen der Frivolität des ersten Aktes und der herzlichen Sehnsucht im zweiten. In seiner Regie zeigt sich eine leichte Hand, die eine exzellente Besetzung lenkt, in einer Aufführung, die die Oper auf ihre wesentliche Struktur reduziert. Musik und Ensemble stehen hier im Vordergrund, ohne Ablenkungen oder Änderungen der Handlung.

Dirigent Robin Ticciati reagiert auf diesen Fokus mit einer sublimen Leichtigkeit bei der Leitung eines schlankeren, aber enorm eindrucksvollen London Philharmonic Orchestra. Die Musik ist temporeich, verweilt zugleich perfekt in jedem Gefühl, und es gibt keine einzige falsch gespielte Note in dieser mitreißenden Interpretation von Strauss’ komplexem und fein ausgearbeitetem Werk.

Zerbinetta (Alina Wunderlin), Bacchus (David Butt Philip) und Ariadne (Rachel Willis-Sørensen)
Foto-Copyright: © Glyndebourne Productions Ltd. Foto: Tristram Kenton

Rachel Willis-Sørensen ist wunderbar als Ariadne; sie spielt im ersten Akt geschickt auf die Diva-Rolle an und wirft sich dann mit voller Hingabe in die emotionale Tragödie des Opernteils. Ihre unteren Töne sind besonders wunderschön und vermitteln echte Verzweiflung und Sehnsucht. David Butt Philip bringt als Bacchus eindrucksvolle Gefühle zum Ausdruck, und die Chemie zwischen den beiden überzeugt vollkommen.

Die deutsche Sopranistin Alina Wunderlin begeisterte 2024 als Königin der Nacht und kehrt in Topform als Zerbinetta zurück. Ihr Schauspiel ist voller Energie, Witz und exzellentem Timing in der Komik, aber es ist ihr herausragendes Koloraturgesang, der wirklich die Show stiehlt. Strauss’ gesamte Partitur ist enorm anspruchsvoll, doch Wunderlin meistert Zerbinettas umfangreiche Arie, „Grossmächtige Prinzessin“, scheinbar mühelos. Ihre Darbietung allein rechtfertigt schon den Ticketpreis.

Der Rest der talentierten Besetzung meistert die Musik mit Witz und Schwung. Samantha Hankey ist als junger Komponist sympatisch und nachvollziehbar, hin- und hergerissen sowie besorgt, dass ihr Meisterwerk von einem gewöhnlichen Kabarettprogramm vereinnahmt wird. Gute Leistungen zeigen auch Mikhail Timoshenko, Caspar Singh, Liam James Karai und Liam Bonthrone als Komiker, ausgestattet mit den spaßigen, kabarettartigen Kostümen von Perry.

Musikmeister (Michael Kraus), vier Komiker (Liam Bonthrone, Caspar Singh, Liam James Karai & Mikhail Timoshenko), Zerbinetta (Alina Wunderlin) und Komponist (Samantha Hankey)
Foto-Copyright: © Glyndebourne Productions Ltd. Foto: Tristram Kenton

Massimo Troncanettis schlichte Bühnenausstattung ist nicht die interessanteste, die wir diese Saison in Glyndebourne gesehen haben. Eine riesige Rokoko-Tür mit Verkleidung bewegt sich unerklärlicherweise Zentimeter für Zentimeter über die Bühne im ersten Akt, hinterlegt von einem riesigen, gewellten und gebogenen Hintergrund. Akt zwei fügt einen riesigen Felsen hinzu, auf dem die Darsteller sich während der eigentlichen Oper bewegen. Marco Giustis Lichtgestaltung bringt dringend benötigte Farbe ins Spiel, am eindrucksvollsten bei der Enthüllung eines grell leuchtenden Sonnenaufgangs während des Liebesduetts von Ariadne und Bacchus.

Pellys neue Produktion macht das, was viele Regisseure oft vergessen: Sie stellt die Sänger in den Mittelpunkt der Aufführung. Nicht immer ein visueller Augenschmaus, aber zweifellos ein köstliches Fest für die Ohren.

Ariadne auf Naxos ist noch bis zum 29. August in Glyndebourne zu sehen

Foto-Credits: © Glyndebourne Productions Ltd. Fotos: Tristram Kenton



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