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Review: Disney's DER GLOECKNER VON NOTRE DAME

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Bewertung: 4/5

Besuchte Vorstellung: 22.04.2017

Disney ist erwachsen geworden! Nachdem „Der Glöckner von Notre Dame" 1999 seine Welturaufführung in Berlin feierte, hält nun eine neue Inszenierung Einzug ins majestätische Theater des Westens. Hierbei handelt es sich um die La Jolla Playhouse Produktion aus San Diego von Scott Schwartz, Sohn des „Glöckner" Texters und Disney Legende Stephen Schwartz. Schon die ersten Minuten schicken den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Idee einen 24köpfigen Chor einzusetzen, um die teils sakralen Gesänge kongenial einzufangen, ist schlicht eine phänomenale Idee. So garantieren schon die ersten Minuten der Musik von Alan Menken und „Die Glocken Notre Dames" Gänsehaut pur.

Erzählt wird die dramatisch-romantische Geschichte um den Buckligen Quasimodo, seinen Ziehvater Frollo und die schöne Esmeralda im Paris des 15. Jahrhunderts. Eine Geschichte über Liebe, Rache und Mitgefühl. Regisseur Schwartz orientiert sich deutlich an der Commedia dell'arte und distanziert sich so bewusst etwas vom bekannten Disney Zeichentrickfilm. Im Resultat erschafft Schwartz damit die Welt von Quasimodo auf neue und reizvolle Art und Weise. So agiert das Ensemble abwechselnd als Steinfiguren der Kathedrale, Schaulustige beim Fest der Narren, bei dem Quasimodo seinen Glockenturm verlässt und die erste Begegnung mit Esmeralda hat, oder als Gläubige während Esmeraldas Solo „Gott deine Kinder".

Nach der Romanvorlage von Victor Hugo entsteht so eine geheimnisvolle, magische Welt im Glockenturm von Notre Dame. Die Bühne ist minimalistisch und dennoch vorzüglich effektiv ausgestattet von Alexander Dodge. So wird ohne die Verwendung von umständlicher Bühnentechnik der Glockenturm, das Versteck Esmeraldas oder der Eingang der Kathedrale lebendig durch das hervorragend besetzte und choreografierte Ensemble (Choreografie: Chase Brock)

Den Darsteller des Quasimodo (in der besuchten Vorstellung spielte Jonas Hein) erst auf der Bühne vor Publikum mit Buckel und schwarzer Schminke auszustatten hat schon fast Züge des Brechtschen Epischen Theaters. Es ist ein Inszenierungstrick, der gefällt. Überhaupt finden viele Umzüge der Darsteller auf der Bühne statt. Wie bei einem Wanderzirkus, in dem der Spielleiter im Vorfeld die Rollen vergibt, bedient sich Schwartz kowngenial wie konsequent dieser Idee. Die Funktion eines Spielleiters wäre für Clopin (Jens Janke) wünschenswert, dessen Figur etwas blass im Hintergrund bleibt.

Jonas Hein ist ein stimmlich wie darstellerisch ein facettenreicher Quasimodo, der mit „Draußen" sein erstes beachtliches Solo hat und auch im Duett mit Frollo (Felix Martin) punkten kann.

Frollo hat in dieser Glöckner Version eine weitaus größere Rolle als in der 99er Inszenierung. Auch wenn Martin schauspielerisch nicht ganz überzeugen kann, ist seine warme Stimmfärbung für den Erzdiakon ideal. So wird sein „Das Feuer der Hölle" zu einem echten Highlight.

Die wunderbare Sarah Bowden tanzt und singt sich als Esmeralda sofort in die Herzen des Publikums. Besonders aber ihr authentisches, akzentuiertes Spiel lässt ihre Figur erst richtig zum Leben erwecken. Und das Bowden vom Tanz kommt, wird in ihren ersten Szenen sofort klar. Unwillkürlich musste ich direkt an Roxie oder Velma in „Chicago" denken; beides Rollen, die sie sicher exzellent ausfüllen würde. Ob mit „Einmal" oder im Duett mit Jonas Hein, beweist Bowden einmal mehr in Können.

Die Musik von Alan Menken hat nichts von ihrer Opulenz verloren und sorgt für zahlreiche Gänsehaut Momente, die bis zum emotionalen Finale (an dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, was sich Schwartz hier hat einfallen lassen) berühren und beweisen, warum er nicht nur achtfacher Oscar Preisträger, sondern schlicht eine Disney Legende ist. Die englischen Texten von Stephen Schwartz wurden dabei kongenial von Michael Kunze übersetzt.

Stage Entertainment hat mit „Disney's Der Glöckner von Notre Dame" bewiesen, dass sie zur rechten Zeit dass richtige Musical für Berlin ausgewählt haben und der Stadt tut es gut, endlich mal wieder mit einer Europa Premiere aufwarten zu können.

Dieser Glöckner verdient ein großes Publikum!

Photo Credit: Johan Persson (Sarah Bowden als Esmeralda)

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