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Kritik: SCHWANENSEE, Staatliches Ballett von Georgia, London Coliseum

Künstlerische Leiterin Nina Ananiashvili bringt eine brandneue Version nach London

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Kritik: SCHWANENSEE, Staatliches Ballett von Georgia, London Coliseum

3 Sterne

Nach ihrem Auftritt im London Coliseum im Jahr 2024 kehrt das Staatliche Ballett von Georgia mit einer brandneuen Version von Schwanensee in die Hauptstadt zurück. Das in Tiflis ansässige Ensemble zieht vor allem dank seiner künstlerischen Leiterin, der hochgeschätzten Primaballerina Nina Ananiashvili, Publikum an. Sie tanzte beim Bolschoi Ballett und der American Ballet Company und hat mit dieser talentierten Kompanie bereits großartige Arbeit geleistet.

Die Produktion von 2024 war solide, mit eleganten Auftritten, fehlte jedoch etwas von der Leidenschaft, die das Ballett wirklich zum Fliegen bringt. Auch diese neue Inszenierung zeigt die technische Brillanz der Tänzer in einem sehr traditionellen Setting, doch während die Hauptdarsteller weiterhin die gleichen Rollen verkörpern, bleibt die Chemie zwischen ihnen etwas zurückhaltend.

Nino Samadashvili kehrt aus der Produktion von 2024 in der Doppelrolle der Odette/Odile zurück, ebenso wie Oleg Ligai als Prinz Siegfried. Samadashvili ist eine wunderschöne Tänzerin, die Eleganz bis in die Fingerspitzen ausstrahlt, zeigte jedoch bei der Pressevorstellung hin und wieder leichte Fußfehlstellungen. Ihr Armspiel wirkt leicht und zart, zugleich besitzt sie Ausdauer und Kraft, was durch beeindruckende Fouettés unterstrichen wird. Ihre nervöse und ängstliche Odette kontrastiert gut mit der spöttisch selbstbewussten Odile.

Ligai beeindruckt durch seine Leichtigkeit beim Springen, was aufgrund seiner Größe besonders bemerkenswert ist. Seine Darstellung des Siegfried wirkt zum Ende der Aufführung als Odette's Held jedoch etwas zu weich. Das Hauptproblem bleibt die glaubwürdige Chemie zwischen den beiden, die bestenfalls funktional ist. Das ist schade, denn sie sind als einzelne Tänzer gut und sollten gemeinsam strahlen.

Odette und Rothbart

Marcelo Soares kehrt ebenfalls als Rothbart zurück und bringt eine bedrohliche Energie mit einem unglaublichen, schillernden federbekleideten Kostüm und riesigen, ausladenden Flügeln. Er überzeugt als die dunkle, kraftvolle Figur der Geschichte und es wäre schön, noch mehr von ihm zu sehen.

Ein bemerkenswerter Vorteil der gesamten Kompanie ist die makellose Platzierung von Armen und Fingern, die sich sogar auf das sitzende Publikum bei den Aufführungen während der Partys überträgt, welche ihre Hände und Arme in einer wunderschön lässigen Segnung heben. Das Corps de Ballet glänzt besonders in den Schwänchen-Szenen, die eine reizvolle Koordination und Timing zeigen. Die Nationaltänze machen Spaß – besonders beeindruckend sind die spanischen Tänzer, die elegante Rückbeugen und lebendige Energie zeigen.

Die Inszenierung und Choreografie sind sehr klassisch und präzise, doch Ananiashvili bringt auch ein Trio schwarzer Schwäne im Corps de Ballet ein, die im ersten Akt als Drei Große Schwäne auftreten. In der Mariinsky-Tradition haben viele Ballettkompanien ein Corps de Ballet schwarzer Schwäne, die Rothbarts dunkle Magie symbolisieren, jedoch meist erst im letzten Akt. Es ist merkwürdig, dass diese schwarzen Schwäne im zweiten Akt verschwinden und ihr frühes Erscheinen auch den visuellen Effekt des schwarzen Tutus von Odile bei ihrem Bühnenauftreten abschwächt.

Odile und Ensemble

Die Produktion verfügt über ein brandneues Bühnenbild und mehr als 300 maßgeschneiderte Kostüme. Für die ikonischen Tutus wurden etwa 1.500 Meter Tüll verwendet – genug Stoff, um vom London Coliseum bis zum Trafalgar Square zu reichen. Das Aussehen orientiert sich am mittelalterlichen Märchenstil, mit Schwerpunkt auf reichen Stoffen und Pastellfarben. Siegfrieds Mutter (die majestätische Ina Amaiparashvili) stiehlt mit Parade von metallischen Stoffen und hohen Kopfschmuck fast die Show. Das Bühnenbild ist minimalistisch und stützt sich auf prächtige Hintergründe, die verzauberte Schlösser, dunkle Wälder und schneebedeckte Berge zeigen.

Die Royal Ballet Sinfonia sind in hervorragender Form und verleihen Tschaikowskys glorreichem Score eine wunderschöne Intonation. Unter der Leitung von Levan Jagaev, der sowohl Tempo als auch Geduld zeigt, ist die Musik der Höhepunkt des Abends.

Es ist wunderbar, das Staatliche Ballett von Georgia wieder in London zu sehen, das die bekannte Disziplin und Anmut zeigt. Ein paar Funken mehr wären jedoch willkommen.

Das Staatliche Ballett von Georgias Schwanensee läuft noch bis zum 26. Juli im London Coliseum.

Foto-Credits: Mit freundlicher Genehmigung der Produktion

 


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