BWW Reviews: Weltweit umjubelte Tournee von WEST SIDE STORY feierte Deutschlandpremiere in Frankfurt

Seit einigen Jahren schon ist eine erfolgreiche Neuinszenierung von West Side Story in den großen Theatern der Welt zu sehen, darunter London, Paris, Tokyo, Sydney und viele mehr. Nun ist die Produktion mit den Orginalchoreografien endlich auch im deutschsprachigen Raum zu erleben. Seine Premiere feierte West Side Story war 20.12. in Frankfurt, wo in Show in der Alten Oper gastiert und dort die Rolle des alljährigen Weihnachtsmusicals übernimmt.

Auch wenn dieses Musical nicht unbedingt weihnachtlich ist, so sind die Karten dennoch heiß begehrt. Immerhin geht es um eines der bekannten Musicals der Geschichte mit vielen bekannten Songs und einer fast genauso bekannten Geschichte. West Side Story entstand in den 60iger Jahren in den Händen von Leonard Bernstein (Musik), Stephen Sondheim (Gesangstexte) und Arthur Laurents (Buch) und basiert lose auf Shakespeares Romeo und Julia. Die Idee einer modernen Umsetzung der klassischen tragischen Liebesgeschichte hatte Jerome Robbins, der auch für die Choreografie verantwortlich war. West Side Story erzählt die Geschichte von zwei verfeindeten Jugendgangs in den Armenvierteln der Upper West Side von New York, den „einheimischen" Jets und den aus Puerto Rico eingewanderten Sharks. Ständig kämpfen sie darum wer das Vorrecht auf den Straßen in ihrem Viertel hat. Das Ganze eskaliert als ich sich die hübsche Maria, die Schwester des Anführers der Sharks, in den ruhigen Tony verliebt, der mit dem Bandenleben nichts mehr zu tun haben will, den aber seine Freundschaft und Loyalität zu Riff an die Jets bindet.

Dialoge sind in West Side Story eher knapp bemessen, dagegen stehen Gesang und immer wieder auch Tanz im Mittelpunkt und werden zum Träger der Geschichte. Die Original-Choreografie von Jerome Robbins, umgesetzt von Joey KcKneely, beinhaltet viele Ballettelemente, was vor allem in den Kampfszenen zwischen den Gangs einen interessanten Kontrast bildet, ein Kontrast der sich auch in dem scheinbaren Widerspruch zwischen den harten Worten bei den Begegnungen der Jugendlichen und Bernsteins harmonischer Musik widerfindet. Ein 24-köpfiges Orchester (für Musicals vergleichsweise sehr groß) verleiht der Show einen ganz besonderen Klang.

Aufgeführt wird diese Produktion mit einem Ensemble von Broadway-Schauspielern in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln, und es war sicher eine kluge Entscheidung solch ikonische Lieder wie „Tonight", „Somewhere" oder „I want to be in America" nicht zu übersetzen, sondern in der Originalsprache aufzuführen und damit auch noch ein stückweit mehr das New Yorker Flair zu erhalten. Jessica Sozas glockenklarer Sopran und natürliche Anmut sind eine gute Wahl für Maria, und sie schafft es von der ersten Minute an die Zuschauer für sich zu gewinnen. Auch die Chemie zwischen Soza und Anthony Festa in der Rolle des Tony stimmt. Mit seiner charmanten, friedvollen Art erobert er nicht nur Marias, sondern auch das Herz des Publikums. In den Nebenrollen überzeugen vor allem Mel Shrawder als Officer Krupke und Penelope Armstead-Williams. Letztere brilliert in ihrer Darstellung von Marias Freundin Anita und vermag diese gleichzeitig als taffe, selbstbewusste Puetroricanerin als auch als verletzliche junge Frau darzustellen und trotz ihrer schwierigen Rolle die Sympathie und das Mitgefühl der Zuschauer für sich zu gewinnen. Gleichzeitig wird „I want to be in America" für mich zum Höhepunkt der Show; dies ist eine bemerkenswerte Leistung bei solch einem bekannten Lied, das wohl schon in manchem Schulmusikunterricht totgespielt wurde. Dagegen fehlt in den Anfangsszenen sowohl tänzerisch als auch gesanglich ein wenig Energie, was den Einstieg in das Stück ein wenig schleppend erscheinen ließ. Spätentens nach „I want to be in America" war davon jedoch nichts mehr zu spüren und es folgte eine energetische Performance von einem Ensemble, dass als Gesamtheit überzeugen könnte. Das Bühnenbild besteht hauptsächlich aus den für New York typischen stählernen Feuerleitern, die die Story gut in Szene setzen, aber auf der vergleichsweise schmalen Bühne der Alten Oper leider etwas erdrückend wirken.

Ein Besuch von West Side Story ist dennoch unbedingt empfehlenswert. Und auch wer dem Englischen nicht mächtig ist, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Monitore mit deutschen Übertitel waren gut sichtbar anbracht und auch noch in den hinteren Reihen gut lesbar. Zu weiten Teilen jedoch sprechen Leonard Bernsteins legendäre Musik, und Jerome Robbins' Choreografie für sich. Der aktuell tourenden Inszenierung gelingt es die Originalproduktion nachzuempfinden ohne dabei ein an Frische zu verlieren oder abgedroschen zu wirken. Das gesamte Cast lieferte eine solide Darstellung und besonders die Hauptdarstellen können durchweg überzeugen.

In Frankfurt kann man West Side Story noch bis 11. Januar erleben. Danach gastiert die Tour in folgenden Städten im deutschsprachigen Raum:

Luxembourg, Les Théâtres de la Ville, 16. bis 25. Januar 2014

Baden-Baden, Festspielhaus, 28. Januar bis 2. Februar 2014

Bregenz, Festspielhaus, 4. bis 9. Februar 2014

Salzburg, Großes Festspielhaus, 11. bis 16. Februar 2014

Zürich, Theater 11, 18. Februar bis 16. März 2014

München, Deutsches Theater, 19. März bis 27. April 2014

Photo Credit: Nilz Boehme



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From This Author Iris Moebius

Scientist who happens to love music, theater, and most of all, musical theater. Currently located in New York, and seeing all the theater I can (read more...)