BWW Reviews: 'Friedrich - Das Musical' Metropolis Halle Potsdam

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Der Abend der Welturaufführung wird mit einem Knall eröffnet. Denn noch bevor die Vorstellung von "Friedrich" in der ausverkauften Metropolis Halle beginnt, fällt Geschäftsleiter Peter Scholz von der meterhohen Bühne ins Dunkle. Eigentlich wollte er das Premierenpublikum begrüßen, übersieht aber die Grenze der Bühne und fällt. Zum Glück ist ihm nichts passiert, aber dieser Adrenalinschub der mir durch die Glieder fährt, bleibt leider das aufregendste was geschieht und mir von diesem Abend in Erinnerung bleiben wird. Ein Musical über Friedrich den Großen zu schreiben und zu produzieren lässt mutmaßen, dass im Jubiläumsjahr des deutschen Preußenkönigs ein mini bisschen wirtschaftliches Kalkül hinter diesem Projekt steckt. Nun wurde in der Vergangenheit über die verschiedensten historischen Persönlichkeiten ein Musical geschrieben, das mal sehr gut ("Elisabeth", "Evita", "Rudolf"), mal weniger gut ("Bernadette", "JFK: The Rock Opera", "Marilyn: An American Fable") funktioniert hat. Leider beweist diese Adaption, dass man nicht mit jedem Material einen musikalischen Geniestreich zaubern kann. Christoph Jilo's Dramaturgie gleitet immer wieder in klischeehafte Plattitüden ab und bedient sich der bis zum erbrechen reproduzierten Idee einen bereits verschiedenen Protagonisten als Erzähler oder in diesem Fall, als Gewissen einzusetzen. Maximilian Mann als Hans Hermann von Katte übernimmt diesen Job als ständiger Begleiter Friedrichs, der diesen in seinen späten Jahren heimsucht.

Musikalisch bewegt sich da Stück irgendwo zwischen Schlager, Pop und Balladen, meistens etwas zu zuckrig und zu klebrig. Dennis Martin, der bereits die Musik für "Bonifatius" und "Die Päpstin" schrieb, ist für den größten Teil der Songs verantwortlich mit Unterstützung von Marc Schubring. "Das preußische Prinzip" erinnert textlich an "Eine Kaiserin soll glänzen" aus "Elisabeth" und musikalisch an Frank Wildhorn. Dieser kleine Schwindel ist allerdings zu verschmerzen und setzt punktgenau die schwierige Vater/Sohn Beziehung in den Vordergrund. Über allem ist jedoch der unheilschwangere Geschmack von Kitsch zu schmecken ("Wir beide gehören zusammen", "Sanssouci"). Martin entwarf seine Kompositionen nach immer gleichem Prinzip. Diese halten keinerlei Überraschungen parat und langweilen schnell. Keine Nummer will richtig zünden oder begeistern, bis auf den Titel im zweiten Akt des Stückes.

Chris Murray, der den alten Fritz spielt, ist im ersten Akt der Stichwortgeber der die Bühne mit Stock überqueren darf um dann wieder zu verschwinden. Richtig glänzen kann er dann aber im zweiten Teil mit einer brillanten Interpretation des Liedes "Ebenbild", welches gleichzeitig auch die beste Nummer des Abend ist.

Von der Präsenz und stimmlichen Integrität eines Chris Murray ist sein junger Kollege meilenweit entfernt. Blass und stimmlich überfordert ist Tobias Bieri als junger Friedrich. Mit seiner Stimme strapaziert er die Nerven. Seine hohen, schrillen Töne hämmern sich wie Stiche mit kleinen Nadeln ins Gehirn und sein Schauspiel bleibt hölzern, unmotiviert und blass. Ihm fehlt leider das ausreichende "Material" um diese Rolle mit Leben zu erfüllen. Elisabeth Hübert hat als Wilhelmine nicht all zuviel zu tun und fällt daher nicht großartig auf, hat sich aber stimmlich eindeutig nach oben gesteigert, nach dem sie bei der "Best of Musical" Tournee von Stage Entertainment in diesem Jahr nicht überzeugen konnte. Léon Van Leeuwenberg, der erst im zweiten Teil seinen großen Auftritt als Voltaire hat, bekam eine Nummer die auch bei jeder silbrigen oder vernebelten Samstag Abend Show bestens zünden würde. Es ist eine Mischung aus "Sei hier Gast", "Razzle Dazzle" und "Willkommen" und nennt sich "Bienvenue in Sanssouci".

In allen Aspekten brilliant und ein stimmiges, eindringliches Rollenportrait liefert Heiko Stang als Friedrich Wilhelm I. Mit großer Präsenz ist Stang als "Übervater" allgegenwärtig und überzeugt mit starker Stimme und starkem Schauspiel. Seine Szenen gehören zu den Highlights des Abends.

Leider ist die Bühne der Metropolis Halle in Potsdam (eine Art Industriehalle ohne Theatercharme) eindeutig zu groß. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Macher für Projektionen entschieden, die alle gelungen sind, ist auf der Bühne ausser drei Treppenelementen nichts. Beim Terzett "Uns're Zeit" ist daher ganz besonders die schier endlose Breite der Bühne zu spüren. Auch wenn Bieri, Hubert und Mann versuchen den schier endlosen Raum zu füllen, bleibt nichts weiter als Aktionismus und die unsägliche Choreographie von Doris Marlis, die so gar nicht passen will. Wie drei Fremdkörper hüpfen, springen und turnen die Protagonisten zu dem Schlagertitel, der durch Synthesizereffekte nur noch unerträglicher wird, durch die Gegend. Die Choreographie des Musicals erinnert eher an verrenkte Stepp Aerobic mit Waldorfschulen Charme und ist mit merkwürdig anmutenden Elementen des Modern Jazz und Höfischen Tanzes verbunden. 

Ein großer Minuspunkt ist, dass die Musik komplett vom Band kommt. So wird der Abend zu einer Halbplayback Veranstaltung, die einen bitteren Beigeschmack enthält. Das ist sehr ärgerlich! Da wäre der Einsatz einer kleineren Band willkommen und die weitaus bessere Lösung gewesen. Besonders der erste Akt ist viel zu lang. Die Geschichte stolpert ohne ersichtliches Ziel von einem historischen Ereignis zum anderen ohne tiefere Einblicke in das Seelenleben des jungen Friedrichs zu gewähren. Der gute Wille ist da, jedoch empfinde ich die Geschichte nicht als spannend genug um dafür einen gesamten Theaterabend zu investieren.

 

 

 

 

 

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