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Review: THE JAZZ ROOM at Sendesaal Bremen

Tribut an Frank Sinatra & Louis Armstrong

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Review: THE JAZZ ROOM at Sendesaal Bremen

When You're Smiling: Ein Jazzabend gegen den Bremer Regen

Bremen zeigte sich am Freitagabend von seiner besonders nassen Seite. Der Regen schien kein Ende nehmen zu wollen, doch im Sendesaal erwartete die Besucher eine ganz andere Welt. Ein sehr gut besuchter Saal, eine angenehm gelöste Stimmung und eine Bühne, deren warmes Licht und zahlreiche Kerzen bereits vor dem ersten Ton ein Gefühl von Behaglichkeit vermittelten. Es brauchte nicht viel Fantasie, um sich in einen jener legendären Jazzclubs versetzt zu fühlen, in denen Musik nicht einfach gespielt, sondern gelebt wird.

Mit The Jazz Room hat der Veranstalter Fever ein internationales Konzertformat geschaffen, das die Geschichte des Jazz auf unterhaltsame Weise erlebbar machen möchte. An diesem Abend standen zwei der größten Namen der Musikgeschichte im Mittelpunkt: Frank Sinatra und Louis Armstrong. Zwei Künstler, deren musikalisches Erbe weit über den Jazz hinausreicht und deren Songs auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Faszination verloren haben.

Für die musikalische Umsetzung sorgte das Favourite Things Quartett, das mit einer entspannten Bühnenpräsenz und spürbarer Spielfreude überzeugte. Besonders der Kontrabassist zog die Aufmerksamkeit auf sich. Nicht allein durch sein Spiel, sondern vor allem durch seine imposante Präsenz, die dem Instrument eine beinahe eigene Persönlichkeit verlieh. Auch das Klavier wusste zu überzeugen, und im Zusammenspiel zeigte sich immer wieder die musikalische Qualität des Ensembles.

Dass Jazz nicht nur von Präzision, sondern auch von Spontaneität lebt, bewies ausgerechnet eine kleine Panne am Schlagzeug. Als sich ein Teil des Instruments unerwartet verabschiedete, sorgte der Zwischenfall für herzhaftes Gelächter. Ob tatsächlich ungeplant oder ein augenzwinkernder Bestandteil der Show, spielte dabei kaum eine Rolle. Es war einer dieser Momente, die Livekonzerte so sympathisch machen.

Die Sängerin fügte sich mit einer angenehmen Stimme harmonisch in das musikalische Gesamtbild ein. Dennoch fehlte ihrer Interpretation gelegentlich jenes schwer greifbare Etwas, das aus einem gelungenen Vortrag einen wirklich unvergesslichen Moment macht. Gerade bei Sinatra und Armstrong, deren Stimmen untrennbar mit ihrer Persönlichkeit verbunden waren, hätte man sich stellenweise etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht. Die kleinen Geschichten und Anekdoten zwischen den Songs lockerten das Programm sympathisch auf, hielten für Kenner der beiden Musiklegenden allerdings kaum Überraschungen bereit.

Musikalische Lieblinge und neue Entdeckungen

Mit Strangers in the Night und Fly Me to the Moon standen gleich zwei meiner persönlichen Lieblingssongs auf dem Programm. Beide wurden überzeugend interpretiert und erinnerten daran, warum diese Melodien längst zum musikalischen Allgemeingut gehören.

Die eigentliche Überraschung des Abends war allerdings ein anderer Titel: When You're Smiling.

Ein Song, den ich bislang zwar kannte, aber nie zu meinen persönlichen Favoriten gezählt hätte. An diesem Abend änderte sich das. Die Interpretation versprühte eine solche Leichtigkeit und Lebensfreude, dass sich die Melodie seitdem hartnäckig in meinem Kopf festgesetzt hat. Wenn ein Konzert dafür sorgt, dass man einen längst bekannten Song plötzlich mit ganz anderen Ohren hört, haben die Musiker etwas richtig gemacht.

Als When You're Smiling schließlich das reguläre Programm beschloss, hatte die Stimmung im Saal ihren Höhepunkt erreicht. Umso überraschender war die anschließende Zugabe: What a Wonderful World. Natürlich gehört Armstrongs Klassiker zu den schönsten und bekanntesten Songs seines Repertoires. Doch seine melancholische Grundstimmung nahm dem Abend etwas von jener beschwingten Energie, die das vorherige Finale so wunderbar aufgebaut hatte.

Ein Vergnügen mit überraschend kurzer Laufzeit

Der vielleicht größte Kritikpunkt des Abends lag allerdings nicht in der Musik, sondern in der Dauer der Veranstaltung. Nach gerade einmal rund 50 Minuten wurde bereits das Ende angekündigt. Die Verwunderung darüber war im Publikum durchaus zu spüren. Gerade hatte man sich in die Atmosphäre fallen lassen, gerade schien der Abend richtig Fahrt aufgenommen zu haben, da sollte er schon wieder vorbei sein.

Natürlich kann auch ein kurzes Konzert ein intensives Erlebnis sein. Doch bei einem Format, das verspricht, sein Publikum auf eine musikalische Reise durch die Welt des Jazz mitzunehmen, hätte man sich durchaus noch einige Stationen mehr gewünscht. Das lag nicht an mangelnder Qualität, sondern ganz im Gegenteil daran, dass man gerne länger zugehört hätte.

Am Ende bleibt ein unterhaltsamer, musikalisch gelungener Abend, der mit seiner warmen Atmosphäre, starken Instrumentalisten und einigen wunderbaren Songinterpretationen überzeugen konnte. The Jazz Room funktioniert als niedrigschwellige Einladung in die Welt des Jazz und dürfte sowohl Einsteiger als auch langjährige Liebhaber des Genres ansprechen.

Nur eines hätte ich mir gewünscht: ein wenig mehr Zeit. Und vielleicht eine andere Reihenfolge der letzten beiden Songs.

Denn so schön What a Wonderful World auch sein mag, an diesem verregneten Bremer Abend wäre ich lieber mit When You're Smiling im Ohr hinaus auf den Parkplatz gegangen.

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