BWW Reviews: 'West Side Story' Deutsche Oper Berlin

BWW-Reviews-West-Side-Story-Deutsche-Oper-Berlin-20010101

1957 war ein magisches Jahr für das Musiktheater, denn die Kulturlandschaft wäre um so vieles ärmer ohne die "West Side Story". Auch wenn der Begriff Meisterwerk schändlicherweise zu oft inflationär genutzt wird, und jede noch so halbherzig zusammengeschusterte Compilation Show so betitelt wird, ist das Attribut hier mehr als angebracht. "West Side Story" das Meisterwerk aus der Feder von Leonard Bernstein, Jerome Robbins, Arthur Laurents und Stephen Sondheim feierte nun Tourneeauftakt in der Deutschen Oper Berlin. Die Iszenierung von Joey McKneely rekreiert geschickt die fulminante Original Regie und Choreographie von Jerome Robbins brilliant ohne sie in ein angestaubtes Korsett zu zwingen. Ganz im Gegenteil: die Iszenierung wirkt so frisch, lebendig und kraftvoll wie am Tag der Welturaufführung vor 50 Jahren. Die Choreographie ist schlicht weg atemberaubend: präzise bis in die Spitzen, ein visueller Hochgenuss, der von Anfang an das Publikum in Euphorie versetzt. Jerome Robbins hat mit seiner Arbeit Generationen beeinflusst und den modernen Tanzstil des Musicals entscheidend mitgeprägt und verändert. An diesem Tanz kann und will man sich nicht satt sehen. Das Ensemble wirbelt hochprofessionell über die Bühne und versprüht dabei Broadway Feeling.

Auch wenn Liam Tobin als Tony zu Beginn des Stückes noch etwas hölzern wirkt, gewinnt er im weiteren Verlauf der Show stetig an Qualität und überzeugt mit einem klaren, gewinnenden "Maria". Elena Sancho Pereg ist eine gesanglich ideale Maria, die allerdings mehr mit Stimme als mit schauspielerischer Souveränität punkten kann. Berührend gelingt ihr "I Have A Love".

Yanira Marin, die bereits im jüngsten Broadway Revival von "West Side Story" noch unter der Regie des 2011 verstorbenen Arthur Laurents zu sehen war, ist als Anita die Idelabesetzung. Das was gesanglich etwas im Argen liegt, gleicht sie durch Charisma und ihren starken Tanz wieder aus.

Andy Jones als Riff und Pepe Munoz als Bernardo sind tänzerisch, wie der Rest des großartigen Ensembles, in absoluter Topform. Selten habe ich eine "West Side Story" gesehen, die erfolgreich den Fokus so auf den Tanz legt und damit alles genau richtig macht. "America" wird dabei ebenso zum Showstopper wie das grandiose Gänsehaut Finale des ersten Aktes (Reprise von "Tonight"). Das Traumballett mit dem wunderschönen "Somewhere" ist ein filigraner Hochgenuss, wie das blendend aufspielende Orchester unter der kongenialen Leitung von Donald Chan. Ein so perfekt und hoch besetztes, 30 Mann starkes Orchester zu erleben, ist im deutschen Raum wahrlich keine Selbstverständlichkeit und verstärkt die pure Freude der makellosen Musik Bernsteins' zu lauschen.

Die Songs der "West Side Story" sind mittlerweile alle zu Evergreens und Klassikern der Musicalgeschichte avanciert. Kein Musicalkonzert kommt mehr ohne wenigstens eine Nummer aus der show aus. Lang Lang spielte mit Herbie Hancock "Tonight" auf seiner großen Geburtstagsfeier in der O2 World, Barbra Streisand nahm einige Titel für ihre Alben auf und eröffnete mit "Something's Coming" eins ihrer legendären Konzerte. Die Musik von Leonard Bernstein und die Texte von Stephen Sondheim sind somit zu unsterblichen Klassikern geworden, die noch Generationen begeistern und mitreißen werden. 

Diese Produktion der "West Side Story" setzt die Ansprüche hoch und wird es fast unmöglich machen eine bessere und intensivere Inszenierung zu sehen. Ein Hit für Berlin!

Weitere Informationen und Tickets unter:

http://www.westsidestory.de/

 

 

More Germany!
Go to the Homepage


Comment & Share


About Author

Subscribe to Author Alerts
Marcel Konrath As an actor, singer and devoted musical & theater admirer Marcel has travelled to

countless cities to see productions. He studied drama in Freiburg and appeared in

numerous plays by Schiller, Shakespeare and plays for children. He lives in Berlin.