BWW Reviews: SHOW ME im Friedrichstadt-Palast Berlin

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Die neue Revue im Friedrichstadt-Palast Berlin "Show Me", welche die Vorgänger Show "Yma" ablöst ist brilliant... aber leider nur für ungefähr fünf Minuten. Was nach einer schön durchdachten Eröffnungsszene "unter Wasser" auf den Zuschauer einströmt ist eine quietschbunte, geschmacklos ausgestattete Kostümschlacht mit albernen Choreografien und lieblos zusammengeschusterten "Handlungssträngen": Nun gut, bei einer Revue nach einer Handlung zu suchen, wäre ebenso müßig wie bei einem Film mit Veronica Ferres nach Substanz zu suchen. Was ich allerdings von einer Revue erwarte ist, dass ich als Rezipient unterhalten werde. Leider ist das komplette Gegenteil der Fall, von wenigen Ausnahmen abgesehen, plätschert "Show Me" in einem Meer der Belanglosigkeiten vor sich hin. 

Was wäre auf der Bühne des Friedrichstadt-Palastes, immerhin die größte Bühne der Welt, alles möglich gewesen! Statt konsequent dem Modernierungswahn zu trotzen und mit einer klassischen Revue aufzuwarten, geben sich abwechselnd Ideenlosigkeit, uninspirierte Tanzeinlagen, plackatives Pole Dancing und albernes Geplansche die Klinke in die Hand. Dazu gibt es ein Haufen neu komponierter, überflüßiger Songs, auf die allesamt hätte gut verzichtet werden können. Wer braucht schon eine x-beliebig herunterkomponierte Fahrstuhlmusik wenn man im Gegenzug Stücke von Gershwin, Berlin oder Warren hätte verwenden können? Die Musik, obwohl live von 15 Musikern gespielt, klingt wie ein Ein-Mann-Synthesizer-Unterhalter und vermittelt nicht annährend das Gefühl von großer Show und Weltstadt Flair.

Die gesanglichen Leistungen an diesem Abend bleiben im mittleren Bereich und selbst ein Musical erfahrender Profi wie die wunderbare Amber Schoop (Spamalot, We Will Rock You) kann mit ihrer starken Stimme nichts mehr retten. Oscar Loya (der für das peinliche Eurovision Debakel "Miss Kiss Kiss Bang" verantwortlich war) krächzt mit dünner Stimme und (wahrscheinlich) vertraglich festgelegtem freien Oberkörper "Beautiful" von Christina Aguilera.

Dazu frage ich mich wo zum Teufel die groß angekündigten 9 Millionen Euro stecken, die "Show Me" zur teuersten Revue des Friedrichstadt-Palastes machen? Ist es für die große, klobige Bühne im 80er Jahre ZDF Stil mit Elementen des 21. Jahrhunderts? Sind es die gewollt dramatisch geschmacklosen Kostüme, die u.a. von Modezar Christian Lacroix kreiert wurden? Da kann ich persönlich nur mutmaßen, obwohl die Lichtshow schon recht imposant ist und so wohl einen erheblichen Teil des Etats beansprucht hat. Ebenso ist ein Wasserfall hübsch anzusehen.

Das was die Regisseure Roland Welke und Jürgen Nass entwickelt haben, ist weniger eine Broadway Revue im großen Stil, als vielmehr der verzweifelte Verusch jung, modern und innovativ zu wirken. Allerdings hat die alte Weisheit "weniger ist mehr" eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Wenn das weibliche Ensemble mit schlecht sitzenden Perrücken und Kostümen, die selbst Damen des horizontalen Gewerbes als zu vulgär ablehnen würden, auf Stühlen herumrutschen und bedeutungsvoll den aufgetürmten Sand in ihren Händen zerrieseln lassen, ist dass weder sexy oder geheimnisvoll, sondern einfach nur peinlich. Zusätzlich wurde eine Pole Tänzerin bemüht die sich an ihrer Stange abquält und zu der die Herren ihren Beckenbereich rhythmisch auf und nieder bewegen.

Die obligatorische Planschszene im Becken gibt es natürlich auch in dieser Revue. Warum die Damen allerdings in voller Montur und Pumps ins Wasser gehen bleibt wohl für immer ein Geheimnis des Regieteams. Trotz verschwendeter Millionen sind kurioserweise die Nummern, die am wenigsten kosteten am effektivsten: die alte Seifenblasennummer ist um einiges charmanter als das penetrante Hin und Her der sage und schreibe 12 (!) verschiedenen Choreografen, die für die Tanznummern verantwortlich zeichnen. Ebenso setzt die Acrobatic Troupe Shenyang relativ zu beginn der Revue einen Höhepunkt, der für den gesamten Abend nicht zu toppen ist.

Auch das Schaulaufen der Damen in mehr oder weniger gelungenen Kostümen und merkwürdigen Kopfgewächsen (siehe Bild), erinnert eher an die Fashion Week oder an "Springtime For Hitler" aus "The Producers" von Mel Brooks und bleibt absolut überflüssig und verzichtbar. Ob sich ein Besuch der Show dennoch lohnt muss wohl jeder Besucher für sich entscheiden. Der Vorverkauf für die Spielserie scheint allerdings gut gestartet zu sein. 

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